Interview: Praxisnahe Lehre in der Immobilienwirtschaft

Gunnar Gombert, Professor für Immobilienwirtschaft an der IU, im Interview

Gunnar Gombert kennt den Immobilienmarkt von innen: als Berater für Private Equity Investoren und Asset Manager und Professor für Immobilienwirtschaft an der IU Internationalen Hochschule (IU). Was treibt jemanden an, der mitten im Marktgeschehen steht, zusätzlich in die Lehre einzusteigen? Und was nimmt er selbst dabei mit? Ein Gespräch über Praxis, Theorie und die Frage, was gute Lehre in einer der dynamischsten Branchen Deutschlands heute wirklich bedeutet.

Hey Gunnar, stell Dich gerne kurz vor. Kannst Du uns erstmal etwas zu Deinem Hauptjob und Deiner Arbeit bei der IU Internationalen Hochschule (IU) erzählen?

Ich bin Professor für Immobilienwirtschaft und zugleich Unternehmer und Berater im deutschen Immobilienmarkt. In meiner Beratung begleite ich Private Equity Investoren, Asset Manager und Immobilien- aber auch Technologieunternehmen bei strategischen Fragestellungen – von Marktpositionierung, Vertrieb und Transaktionen bis hin zu ESG- und Energiethemen. An der IU lehre ich in den Bereichen Immobilienökonomie, Real Estate Management, Projektentwicklung und Investition. Mein Anspruch ist es, die Brücke zwischen Theorie und aktueller Marktpraxis zu schlagen,  mit realen Fallstudien, konkreten Beispielen und einem Blick auf die Herausforderungen der Branche.

Porträtbild von Professor Gunnar Gombert
Lehre funktioniert für mich dann am besten, wenn Theorie und Praxis aufeinandertreffen. Studierende profitieren von realen Einblicken in Märkte und Entscheidungsprozesse und umgekehrt bringt die Lehre auch Praktiker:innen dazu, ihr eigenes Wissen zu strukturieren und kritisch zu reflektieren.
Prof. Dr. - Ing. Gunnar Gombert
Professor für Immobilienwirtschaft an der IU Internationalen Hochschule

Was hat Dich dazu bewogen, neben Deiner Arbeit in der Beratung auch in die Lehre einzusteigen?

Immobilienwirtschaft ist eine sehr praxisgetriebene Disziplin. Gleichzeitig fehlt es häufig an einer strukturierten strategischen Einordnung. Mich hat gereizt, genau an dieser Schnittstelle zu arbeiten: Theorie mit Praxiserfahrung systematisch aufzubereiten und Studierenden Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie komplexe Entscheidungen fundiert analysieren können. Zudem sehe ich Lehre als Verantwortung gegenüber der Branche. Wer aktiv im Markt tätig ist, viel gesehen und erfahren hat, sollte Wissen weitergeben und den Nachwuchs aktiv fördern.

Was war Dein größtes “Aha-Erlebnis”, als Du das erste Mal vor Studierenden standest?

Wie hoch das Interesse an konkreten Einblicken in reale Entscheidungsprozesse, Immobilien oder Flächenkonzepten ist. Das hätte ich nicht gedacht. Sobald man nicht nur Modelle erklärt, sondern beispielsweise über eine echte Transaktion, ein reales Entwicklungsprojekt oder eine strategische Neuausrichtung eines Immobilienunternehmens spricht, steigt die Aufmerksamkeit deutlich. Das hat mir gezeigt, wie wichtig Praxisnähe ist und wie motivierend es für Studierende ist, zu verstehen, wie immobilienökonomische Theorie in der Realität angewendet wird.

Lernen, wo Entscheidungen wirklich getroffen werden – Gunnar und seine Studierenden vor Ort
Lernen, wo Entscheidungen wirklich getroffen werden – Gunnar und seine Studierenden vor Ort

Was nimmst Du selbst aus der Lehre mit – verändert der Kontakt mit Studierenden auch Deinen Blick auf die Beratungspraxis?

Definitiv. Studierende stellen häufig sehr grundsätzliche Fragen: Warum funktioniert ein bestimmtes Geschäftsmodell überhaupt so? Warum liegen genau diese Annahmen Investitionsentscheidungen zugrunde? Diese Perspektive zwingt zur Klarheit. In der Beratung ist man oft stark lösungsorientiert und operativ getrieben. Der akademische Kontext schafft Raum, um Annahmen, Unternehmen, ihre Verbände, ihre Thesen, die Branche kritisch zu hinterfragen und Modelle sauber zu strukturieren. Zudem sind Studierende häufig sehr offen für digitale Geschäftsmodelle und neue Technologien wie KI. Diese Offenheit wirkt inspirierend und fließt auch in meine Beratungsprojekte ein.

Zum Schluss: Was möchtest du Personen mit auf den Weg geben, die darüber nachdenken, mit der Lehre zu starten?

Lehre ist kein Nebenprodukt, sondern eine eigenständige Aufgabe. Wer einsteigt, sollte bereit sein, Inhalte auch didaktisch zu durchdenken und Zeit in Vorbereitung zu investieren. Gleichzeitig ist es eine bereichernde Erfahrung. Man strukturiert das eigene Wissen neu, reflektiert die eigene Praxis und trägt aktiv zur Entwicklung der nächsten Generation von Fach- und Führungskräften bei. Gerade für Praktikerinnen und Praktiker aus der Immobilienwirtschaft kann Lehre eine sinnvolle Ergänzung sein – fachlich wie persönlich. Und: Die Arbeit mit den Studierenden macht Spaß!

Starte Deine Lehrreise mit der IU!

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