Interview: Soziale Arbeit weltweit verstehen und lokal lehren

So bringen internationale Erfahrungen frischen Wind in die Lehre.

Wie sieht Soziale Arbeit in anderen Ländern aus und was können wir daraus für Deutschland lernen? Sabine Bährer-Kohler verbindet ihre Arbeit an der IU Internationalen Hochschule (IU) mit internationaler Verantwortung: Als Professorin für Soziale Arbeit am Standort Karlsruhe inspiriert sie Studierende dazu, neue Perspektiven einzunehmen. Gleichzeitig ist sie als Director at Large im Leitungsgremium der International Association of Schools of Social Work (IASSW), einem der weltweit führenden Fachverbände der Sozialen Arbeit, aktiv und widmet sich genau diesen und viel mehr Fragen.

Hallo Sabine! Stell Dich doch gerne mal unseren Leser:innen vor. Wer bist Du und was machst Du an der IU und der IASSW?

Mein Name ist Sabine Bährer-Kohler, Professorin im Fachgebiet Sozialwissenschaften für Soziale Arbeit am Standort Karlsruhe und seit Oktober 2024 auch akademische Standortleiterin. Ich unterrichte unglaublich gern und freue mich jeden Tag über die Arbeit mit unseren Studierenden. 

Parallel bin ich Director at Large im Leitungsgremium der IASSW, einem der drei großen internationalen Fachverbände der Sozialen Arbeit. Dort vertreten wir über 400 Universitäten weltweit und setzen uns für relevante sozialwissenschaftliche Themen auf fünf Kontinenten ein. Im Januar war ich zum Beispiel in Indien beim Board Meeting und einem Mini-Kongress, eine sehr bereichernde Erfahrung. 

Professorin Sabine Bährer-Kohler
Diese Motivation, internationale Erfahrungen zu sammeln und sie wieder nach Hause zu bringen, zu nutzen und den Austausch zu haben, ist für mich sehr wichtig. So kann ich immer wieder neue Perspektiven in meine Arbeit und Lehre einfließen lassen.
Prof. Dr. Sabine Bährer-Kohler
Professorin für Soziale Arbeit

Das hört sich sehr spannend an. Mich interessiert besonders, wie Deine internationale Perspektive durch die IASSW Deine Arbeit und Lehre hier an der IU beeinflusst.

Die Arbeit bei der IASSW hat meine Lehre sehr beeinflusst. Ich zeige unseren Studierenden regelmäßig, wie unterschiedlich soziale Arbeit weltweit aussieht: Was für uns in Deutschland selbstverständlich ist, existiert in vielen Ländern gar nicht. Durch meine Arbeit in der IASSW, wie zuletzt in Chile, bekomme ich immer wieder Einblicke in andere Lehrinhalte, Herausforderungen und Bedarfe. Diese Perspektiven bringe ich in die Lehre zurück, und die Studierenden schätzen das sehr. Es entstehen großartige Diskussionen über Selbstverständlichkeiten, internationale Unterschiede und den großen Bedarf an Sozialarbeiter:innen, auch hier in Deutschland.

Zwischen Lehre an der IU und Deiner Arbeit bei der IASSW kommt ja einiges zusammen. Wie gelingt es Dir, diese beiden Bereiche unter einen Hut zu bekommen?

Durch Erfahrung, gute Logistik und Disziplin. Ich prüfe z. B. jede Einladung sehr genau: Ist sie relevant? Lässt sie sich gut mit der vorlesungsfreien Zeit verbinden? Kann ich Themen aus der IU dort einbringen? Ich habe außerdem auch große familiäre Unterstützung und gleichzeitig werde ich von der IU in meiner internationalen Arbeit stark unterstützt. Schon meine Bewerbung für die IASSW wurde von der IU mitgetragen: Kolleg:innen haben schriftliche Empfehlungen beigesteuert, und die IU-Mitgliedschaft im Verband war Voraussetzung dafür, dass ich mich überhaupt aufstellen konnte. Später wurde ich auch finanziell bei internationalen Reisen unterstützt. Immer im vorgegebenen Rahmen, aber zuverlässig und wertschätzend. Besonders motivierend ist für mich, dass die IU regelmäßig nachfragt, wie sie mich weiter einbinden und unterstützen kann. Umgekehrt konnte ich bereits mehrfach Kolleg:innen vernetzen und unsere Hochschule in internationale Netzwerke einbringen.

Was motiviert Dich in Deiner Arbeit – sowohl an der IU als auch in Deiner Rolle bei der IASSW?

Ich bin national verankert, aber international ausgerichtet. Ich finde es unglaublich wertvoll, Wissen und Perspektiven zu verbinden statt das Rad ständig neu zu erfinden. Kolleg:innen weltweit, die seit Jahrzehnten zu einem Thema arbeiten, kann ich direkt ansprechen und um eine Einschätzung oder Zusammenfassung bitten und das bringe ich wiederum in meine Arbeit und in die IU zurück. Genauso motiviert es mich, unsere Hochschule international sichtbar zu machen und unsere Themen weiter voranzubringen.

Sabine Bährer-Kohler vernetzt internationale Expertise in Delhi.
Sabine Bährer-Kohler vernetzt internationale Expertise in Delhi.

Und zum Schluss: Was darf bei einem perfekten Tag bei Dir auf keinen Fall fehlen, ganz egal ob bei der Arbeit oder in Deiner Freizeit?

Familie ist für mich auf jeden Fall ein ganz wichtiger Bereich. Unsere Tochter ist jetzt im Studieralter und manchmal so eine Art Korrektiv. Sie zeigt einem, wie die Dinge wirklich laufen können. Außerdem reite ich schon seit ich „klein“ war, und wir haben auch jetzt Pferde. Ich genieße es total, raus in den Wald zu reiten, weil da Fragen nach Status oder Arbeit keine Rolle spielen, sondern einfach Naturverbundenheit. Dazu male ich sehr gern, und das tut mir richtig gut, denn Farben und Kreativität geben mir Energie. Und das Allerwichtigste ist Achtsamkeit: bewusst mal zu sagen „Stopp, jetzt lade ich meine Reserven auf“. So kann ich das, was mir bedeutsam ist, dauerhaft, nachweisbar und nachhaltig mit Freude machen.

Starte Deine Lehrreise mit der IU!

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