Interview: Stories aus der Praxis statt trockener Theorie
Christian Preis, Dozent für digitale Geschäftsmodelle, im Gespräch
20. April 2026
„Neue Ideen denken und mutig umsetzen.“ Mit diesem Motto begleitet Christian Preis sowohl Start-ups als auch Studierende an der IU Internationalen Hochschule (IU). Nach Jahren als Musikmanager und erfolgreicher Gründer unterstützt er heute Unternehmen bei der Skalierung neuer Geschäftsmodelle und bringt als freiberuflicher Dozent seine Praxiserfahrung in die Lehre der IU. Im Interview erzählt Christian, was ihn an der Arbeit mit Studierenden fasziniert und warum das Unterrichten für ihn vor allem eins bedeutet: Inspiration.
Hey Christian, stell Dich gerne kurz vor. Was machst Du beruflich und wie bist Du zur IU gekommen?
Ich bin 37, wohne in der Nähe von Regensburg und habe drei Kinder. Ursprünglich habe ich Lehramt studiert, das aber abgebrochen, um mit DONIKKL das Musiklabel DONIKKL Productions aufzubauen. Zehn Jahre lang haben wir hochklassige Produktionen betreut, unmögliches möglich gemacht und auch für namhafte Kunden gearbeitet. Aber irgendwann wollte ich noch mehr und habe BWL studiert, Bachelor und Master, parallel dazu immer wieder Unternehmen gegründet und verschiedene Business-Ideen bis zur Marktreife entwickelt. Zur Corona-Zeit haben wir mit einem Erfinder zum Beispiel berührungslose Weihwasserspender entwickelt und nach Deutschland, Österreich, Amerika und sogar Russland verkauft. Der Bayerische Rundfunk und sogar der Spiegel haben darüber berichtet. Seit 2022 bin ich an der IU als Dozent tätig, aktuell vor allem für digitale Geschäftsmodelle und Business Development. Mein Anspruch: Theorie und echte Praxis zusammenbringen, mit Stories, die inspirieren.
Was hat Dich dazu bewogen, neben Deiner unternehmerischen Tätigkeit auch in die Lehre einzusteigen?
Ich bin ein kreativer Mensch und mache viele unterschiedliche Dinge, von einer Ideenplattform namens „jemand müsste mal“ über ein Greentech-Startup bis hin zu verrückten Produktideen wie den RahmenHeld. Dabei habe ich gemerkt: Ich habe ein paar Stories zu erzählen, mit denen ich Menschen inspirieren kann. Und genau das treibt mich an. Mir ist es wichtig, Menschen zu zeigen, dass man auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen etwas Neues starten kann. Man muss sich nur trauen. Lehre verstehe ich als Inspiration. Mein Ziel ist nicht, dass Studierende alles auswendig lernen und dann wieder vergessen. Sondern dass irgendwas hängen bleibt. Wenn sie später in eine Situation kommen, wo sie etwas brauchen, sollen sie denken: „Moment, da war doch was. Der Christian hat mal was dazu erzählt.“ Das ist für mich erfolgreiche Lehre.
Gab es ein besonderes Aha-Erlebnis mit Deinen Studierenden, das Dir in Erinnerung geblieben ist?
Auf jeden Fall. Im letzten Semester hatte ich mich intensiv mit KI-Anwendungen beschäftigt. Ich hatte ein komplettes Produkt nur mit KI aufgesetzt, inklusive Avataren, Personas und dem gesamten Sales Funnel. Ich dachte, ich bin in meiner Bubble und alle anderen sind da auch schon tief drin. Aber dann habe ich im Kurs festgestellt: Die Verbreitung von KI-Anwendungen in der Praxis ist längst nicht so tief, wie ich erwartet hatte. Viele nutzen es oberflächlich, mal eine E-Mail schreiben lassen, aber sich wirklich durch gutes Prompt-Design durchzuhacken, das war noch nicht so verbreitet. Das war für mich ein Learning: Ich hatte ein komplett falsches Verständnis von der Realität da draußen. Gleichzeitig gab es aber auch eine Studierende, die in einem Teamprojekt ein KI-gestütztes Konzept abgeliefert hat, das mich wirklich umgehauen hat. Damit hatte ich nicht gerechnet, Respekt! Solche Momente zeigen mir, wie wertvoll der Austausch ist.
Du sagst, Du lernst selbst viel aus der Lehre. Inwiefern verändert der Kontakt mit Studierenden Deinen Blick auf die Praxis?
Total. Studierende stellen oft Fragen, mit denen ich nicht gerechnet habe, sehr grundsätzliche Fragen wie: „Warum machst Du das eigentlich so?“ Das zwingt mich dazu, Dinge zu hinterfragen, die ich im Alltag einfach mache, ohne groß darüber nachzudenken. In der Beratung ist man oft sehr lösungsorientiert und operativ unterwegs. Die Lehre gibt mir den Raum, innezuhalten und Sachen wirklich zu durchdenken. Außerdem bringen Studierende oft eine große Offenheit für neue Technologien mit. Das inspiriert mich wiederum für meine eigenen Projekte. Man hängt sonst ja schnell in seiner Bubble, auf LinkedIn oder im Austausch mit Kolleg:innen. Die Lehre (unter anderem) holt mich da raus.
Zum Schluss: Was würdest Du Menschen mitgeben, die überlegen, in die Lehre einzusteigen?
Jede Person, die Bock hat, mit Menschen zu interagieren und etwas weiterzugeben, sollte es unbedingt ausprobieren. Natürlich macht es keinen Sinn, wenn man hochgradig introvertiert ist und keine Lust auf Menschen hat, aber das sollte jede:r für sich selbst wissen. An der IU bekommt man sehr gute Hilfestellung: Am Anfang gab es Skripte und Support, später hatte ich viel gestalterische Freiheit. Wir sollten uns als Lehrende zu Herzen nehmen, dass es nicht darum geht, Menschen mit Inhalten vollzustopfen. Wir sollen sie inspirieren, ihre Leidenschaft zu finden. Wenn jemand für ein Thema brennt, entwickelt er oder sie sich schneller, besser und hat mehr Potenzial, für sich selbst und für die Wirtschaft. Das ist der Job, den wir in der Lehre nicht vergessen dürfen.
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