Interview: Warum gute Lehre mehr ist als Wissen vermitteln
Professor des Jahres 2025 Johannes Pohl im Interview
3. März 2026
Johannes Pohl, Professor für Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau an der IU Internationalen Hochschule (IU), wurde 2025 als „Professor des Jahres“ ausgezeichnet. Im Interview spricht er darüber, was diese Ehrung für ihn bedeutet, warum Praxisnähe für ihn zentral ist und weshalb Lehre immer auch Verantwortung bedeutet.
Johannes, Du wurdest als „Professor des Jahres 2025“ ausgezeichnet. Was bedeutet diese Ehrung für Dich persönlich und was motiviert Dich grundsätzlich, zu lehren?
Die Auszeichnung bedeutet mir sehr viel, weil sie zeigt, dass das, was ich in der Lehre mache, positiv wahrgenommen wird und einen echten Mehrwert für Studierende hat. Genau das ist für mich Sinn und Zweck von Lehre. Ich versuche, in meinen Veranstaltungen die Praxis klar in den Vordergrund zu stellen, damit Studierende nicht rausgehen und sich fragen, was sie mit der ganzen Theorie anfangen sollen.
Mich motiviert besonders, wenn bei Studierenden ein Funke überspringt. Wenn sie die Vorlesung verlassen und sagen: „Cool, ich habe etwas gelernt, womit ich wirklich etwas anfangen kann.“ Mir geht es darum, diese Lücke zu schließen, die viele nach dem Studium erleben. Studierende sollen vorbereitet sein, wenn sie die Hochschule verlassen, nicht mehr unsicher oder „grün hinter den Ohren“, sondern mit einem Gefühl dafür, wie es draußen wirklich läuft und wie sie ihr Wissen anwenden können.
Wenn man auf Deinen Werdegang blickt, stößt man auf viele unterschiedliche Stationen – von Industrie und Beratung über Unternehmertum und Podcasting bis hin zur Lehre. Was hat Dich letztlich dazu gebracht, Dein Wissen weiterzugeben und Lehre zu einem zentralen Teil Deiner Arbeit zu machen?
Das Thema Lehre hat mich schon während meiner Promotion begleitet. Ich habe damals verschiedene Lehrveranstaltungen betreut, mit aufgebaut sowie durchgeführt und gemerkt, dass mir das unglaublich viel Spaß macht. Ich glaube, ich habe eine Stärke darin, mit Menschen zu arbeiten, Beziehungen aufzubauen und Inhalte so zu vermitteln, dass sie motivieren.
Mir war aber immer wichtig, vorher und parallel ausreichend Praxiserfahrung zu sammeln. Ich bin bis heute praxisnah tätig und unternehmerisch aktiv. Diese Verbindung ist für mich essenziell, weil ich dadurch weiß, wovon ich spreche, wenn es um aktuelle Themen und Herausforderungen aus der Wirtschaft geht. Diese Praxis kann ich direkt in die Lehre einfließen lassen.
Gleichzeitig hilft mir die Lehre selbst, am Puls der Zeit zu bleiben. Wenn es um neue Forschung, neue Technologien oder aktuelle Entwicklungen geht, muss man dranbleiben, sich weiterbilden und immer wieder neu einarbeiten. Diese Mischung aus Praxis, Lehre und kontinuierlichem Lernen empfinde ich als sehr bereichernd.
Dazu gehört für mich auch alles, was über die eigentliche Lehrveranstaltung hinausgeht: Studierende zu vernetzen, sie bei Abschlussarbeiten zu unterstützen, Kontakte herzustellen oder als Sparringspartner zur Verfügung zu stehen. Dass auch dieses Engagement gesehen wird, freut mich sehr und bestärkt mich darin, diesen Weg weiterzugehen.
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Du lehrst im Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau – ein Fachbereich, der sich stark durch Digitalisierung, Automatisierung und neue Technologien verändert. Was macht für Dich gute, zeitgemäße Lehre in diesem Umfeld aus?
Neugier ist für mich ein ganz zentraler Punkt, gerade bei Ingenieurinnen und Ingenieuren. Gute Lehre muss Studierende darauf vorbereiten, dass sich ihr Umfeld ständig verändert. Technologien entwickeln sich heute in immer kürzeren Zyklen, besonders im Bereich Digitalisierung.
Dabei geht es nicht nur darum, neue Tools oder Technologien zu zeigen. Viel wichtiger ist aus meiner Sicht, dass Studierende das große Ganze verstehen: Wie hängen Prozesse zusammen? Wie denkt man End-to-End und nicht nur in seinem eigenen Bereich? Im Wirtschaftsingenieurwesen ist dieses ganzheitliche, unternehmerische Denken extrem wichtig. Man muss verstehen, wie Entscheidungen zustande kommen und welche Auswirkungen sie auf andere Bereiche haben.
Deine Lehre ist stark praxisorientiert und nah an realen beruflichen Anforderungen. Warum ist es gerade im Wirtschaftsingenieurwesen wichtig, dass Lernen nicht mit dem Studium endet und welche Rolle spielen dabei Digitalisierung und Künstliche Intelligenz?
Die Geschwindigkeit, mit der sich Technologien verändern, macht deutlich, dass Lernen nicht mit dem Studium enden kann. Lebenslanges Lernen ist heute keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Was wir Studierenden mitgeben müssen, ist Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, sich immer wieder mit neuen Themen auseinanderzusetzen.
Wer nicht am Ball bleibt, fällt irgendwann zurück. Das gilt für Digitalisierung und KI genauso wie für das Verständnis von Organisationen und Menschen. Gerade bei tiefgreifenden Veränderungen durch neue Technologien spielen zwischenmenschliche Aspekte eine große Rolle. Transformation betrifft immer Menschen mit ihren Sorgen, Ängsten, Fragen und Erwartungen. Deshalb gehören für mich auch Soft Skills, kritisches Denken und Empathie ganz klar zur Lehre dazu.
Um beim Thema Künstliche Intelligenz zu bleiben: Was würdest Du Lehrenden raten, die KI als Chance sehen, aber noch unsicher sind, wie sie diese sinnvoll einsetzen können?
Mein wichtigster Rat ist: ausprobieren und sich damit auseinandersetzen. Künstliche Intelligenz ist viel mehr als nur einen Prompt einzugeben. Gutes Prompting braucht Kontext, klare Anforderungen und Übung.
Viele KI Tools sind heute sehr niederschwellig verfügbar und lassen sich gut in den Alltag integrieren, etwa für Skripte, Fallstudien oder Prototypen. Wer KI selbst nutzt, tut sich deutlich leichter, sie auch sinnvoll in der Lehre einzusetzen. Und man muss nicht alles wissen. Ich finde es völlig legitim, gemeinsam mit Studierenden zu lernen und neue Technologien zusammen zu erkunden. Genau daraus entstehen oft die spannendsten Lernprozesse.
Viele Expertinnen und Experten aus der Praxis überlegen, ihr Wissen weiterzugeben – auch neben oder freiberuflich. Was würdest Du diesen Menschen mit auf den Weg geben?
Lehre macht Spaß und ist unglaublich bereichernd. Man bekommt viel Feedback, entwickelt sich selbst weiter und bleibt fachlich am Ball. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass gute Lehre Zeit, Engagement und einen hohen Qualitätsanspruch erfordert. Man ist den Studierenden verpflichtet, fachlich und menschlich.
Es gibt auch Aufgaben, die weniger sichtbar sind, etwa Skripte zu erstellen oder Prüfungen zu korrigieren. Und wer Lehre nur aus finanziellen Gründen machen möchte, ist an der falschen Stelle. Bildung ist ein extrem hohes Gut, und damit trägt man Verantwortung.
Gleichzeitig ist der Austausch mit Studierenden unglaublich wertvoll. Lehre ist kein Einbahnstraßenmodell, sondern ein Dialog auf Augenhöhe, bei dem beide Seiten lernen.
„Bildung ist eines der höchsten Güter unserer Gesellschaft. Wer lehrt, übernimmt Verantwortung – nicht nur für Inhalte, sondern für Menschen.“
Noch mehr von Johannes?
Wer tiefer in die Welt des Wirtschaftsingenieurwesens, unternehmerischen Denkens und aktueller Trends eintauchen möchte, ist bei Johannes‘ Podcast genau richtig. In Business Unplugged spricht er regelmäßig über Themen, die Wirtschaft und Technik bewegen – ungefiltert, praxisnah und auf Augenhöhe.
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