Interview: Wenn die Professorin auch selbst auf der Baustelle steht

Prof. Dr.-Ing. Stefanie Danne über Lehre zwischen Baustelle und Hörsaal

„Lehre ist eine Win Win Situation. Für die Studierenden und für mich selbst.“
Mit dieser Überzeugung verbindet Prof. Dr.-Ing. Stefanie Danne ihre Professur an der IU Internationalen Hochschule (IU) mit der Praxis als Projektingenieurin und Sachverständige. Im Interview erzählt Stefanie, wie sie junge Ingenieurinnen und Ingenieure auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet und warum praxisnahe Hochschullehre in Zeiten von Künstlicher Intelligenz wichtiger ist denn je.

Hallo Stefanie, stell Dich gerne kurz vor. Was machst Du beruflich und wie bist Du zur IU gekommen?

Ich bin Professorin für Bauingenieurwesen an der IU, seit dem Wintersemester 2022. Mein Vertragsstandort ist Essen, aber ich lehre mittlerweile an vielen IU-Standorten im Ruhrgebiet – Dortmund, Duisburg, vielleicht bald Düsseldorf. Mir gefällt das, denn so lerne ich noch mehr Studierende und Kolleg:innen an anderen Standorten kennen.
Neben meiner Professur arbeite ich derzeit als beratende Projektingenieurin in einem mittelständischen Ingenieurbüro in Dortmund. Außerdem bin ich seit letztem Jahr öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Bodenmechanik, Erd- und Grundbau und unterstütze Gerichte bei geotechnischen Fragestellungen.

Exkursion zur Baustelle Bahnhof Duisburg
Exkursion zur Baustelle Bahnhof Duisburg

Zur IU bin ich gekommen, weil ich nach über 20 Jahren in Praxis, Forschung und Lehre eine Aufgabe gesucht habe, bei der ich wissenschaftliche Tiefe und Lehre im dualen Studium sinnvoll verbinden kann. Ich hatte bereits an der TU Dortmund während und nach meiner Promotion gelehrt und dabei gemerkt, wie sehr mich der Austausch mit der nächsten Generation bereichert. Als ich dann vom dualen Studium an der IU gehört habe, war ich sofort interessiert. Tatsächlich war ich sogar schon ein Semester vorher als freiberufliche Dozentin an der IU tätig. Das war mein persönliches Reinschnuppern.

Was hat Dich an der IU besonders gereizt?

Vor allem das duale Studium und die Möglichkeit, Hochschullehre wirklich praxisnah zu gestalten. Dazu kommt ein sehr engagiertes Kollegium und die Offenheit für neue Themen.
Ich konnte mich relativ schnell auch über meine Vorlesungen hinaus einbringen, zum Beispiel im Dozierendenrecruiting, als stellvertretende Fachgebietsleitung „Design, Architektur und Bau” und als Modulverantwortliche für Geotechnik. Diese Bereicherung , von der ich auch profitiere, schätze ich sehr.

Du arbeitest ja parallel noch in der Praxis. Wie profitierst Du vom Austausch mit den Studierenden?

Sehr stark, und zwar in beide Richtungen. Gerade bei meiner Tätigkeit als Sachverständige ist es entscheidend, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären, oft für Menschen mit wenig technischem Hintergrundwissen.

Professorin für Bau lächelt in die Kamera steht vor Backsteinwand
Die Fragen der Studierenden helfen mir, Inhalte neu zu strukturieren, klarer zu formulieren und meine eigene Arbeit zu reflektieren. Für mich ist das eine echte Win Win Situation zwischen Praxis und Lehre an der IU.
Prof. Dr.-Ing. Stefanie Danne
Professorin für Bauingenieurwesen der IU Internationalen Hochschule

Wie bereitest Du Studierende konkret auf den Arbeitsplatz von morgen vor?

Praxisorientierung steht für mich ganz klar im Vordergrund. Viele Beispiele in meinen Vorlesungen stammen direkt aus meinen eigenen Projekten, etwa aus der Baugrubenplanung, der Gründungsbemessung oder eben direkt von der Baustelle.
Mindestens genauso wichtig ist mir aber das Verständnis für die Grundlagen. Ich lehre viel Geotechnik, aber auch einige Grundlagenmodule wie Baustatik, Technische Mechanik und Mathematik . Diese zählen erfahrungsgemäß nicht zu den beliebtesten Modulen, aber gerade heute, wo man per Knopfdruck komplexe Berechnungsergebnisse erzeugen kann, müssen angehende Ingenieur:innen diese Basics verstehen, zum Beispiel wie der Kraftfluss in einem Bauwerk funktioniert.

Das gilt auch für Künstliche Intelligenz. Ich zeige, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann, aber auch, wo ihre Grenzen liegen. Ich bin grundsätzlich ein Fan von KI, weil sie vieles effizienter macht, aber der Output muss immer kritisch und auf Plausibilität geprüft werden, was in der Regel nur mit fundiertem Grundlagenwissen möglich ist.

Du machst auch Exkursionen mit den Studierenden. Erzähl doch mal davon.

Das gehört für mich fest zur praxisorientierten Lehre im dualen Studium dazu. Ich bin in der Baubranche im Ruhrgebiet gut vernetzt und organisiere fast jedes Semester eine Exkursion. Wir waren zum Beispiel schon beim Baumaschinenhersteller Liebherr, bei einem Betonwerk, auf Baustellen der Deutschen Bahn, der DEGES und des Dortmunder Tiefbauamtes und in einer Gießerei in Bochum.
Manchmal kommen dabei Studierende aus mehreren Standorten zusammen und neben dem Lerneffekt spielt dabei oft auch die Vernetzung der Studierenden untereinander eine wichtige Rolle.

 

Zum Schluss: Was würdest Du Menschen mitgeben, die überlegen, in die Hochschullehre einzusteigen?

Wenn Du Lust hast, mit Menschen zu arbeiten und Wissen weiterzugeben, dann mach es. Hochschullehre ist unglaublich erfüllend, wenn man Freude daran hat, Inhalte verständlich zu vermitteln. Du bekommst eine neue Perspektive, lernst kontinuierlich dazu und kommst raus aus Deiner eigenen Büro‑Bubble. Praxisnähe ist dabei ein großer Vorteil. Alles, was Du selbst erlebt hast, macht Lehre lebendig.

 

An der IU bekommst Du am Anfang gute Unterstützung und später viel gestalterische Freiheit. Und das, was Du in der Lehre lernst, gerade didaktisch, hilft Dir auch in Deinem eigentlichen Beruf. Denn erklären, vermitteln und überzeugen musst Du dort genauso.

 

Lehre, die aus der Praxis kommt.

SYNTEA Icon
Schön, dass Du da bist!
Wie kann ich Dir weiterhelfen? 😃